By Michail Schaiber-Sokolski,Bernd E. Scholz,Erika Beermann

Bei Durchsicht der nach dem 2. Weltkrieg über Moskau 1949 nach Stalinabad (ab 1961 wieder Duschanbe, Tadschikistan) verbrachten Herzoglichen Bibliothek von Meiningen entdeckt der Autor gemeinsam mit der Bibliothekarin ein Erotikon des 18. Jahrhunderts. Das reich illustrierte Werk der Aufklärung wird für den neugierigen und sprachkundigen 26 Jahre alten Leser, Michail Schaiber-Sokolski, zur Quelle vielfältiger praktischer Anwendungen... Welches Werk könnte es gewesen sein? Wir wissen es nicht, denn die Herzogliche Bibliothek ist bis heute – bis auf einige wenige Exemplare – nie wieder aufgetaucht, »verschollen«, wie es auf der Webseite der Meininger Bibliothek heißt. »Verschollen« auch deshalb, weil guy einem Hinweis des Autors von 1970 nicht nachgegangen struggle, bzw. nicht nachgehen wollte.
Neben zahlreichen flüchtigen Amouren findet sich die ergreifende und unerfüllt-unerfüllbare spirituelle Liebesgeschichte des heranreifenden russisch-jüdischen Gelehrten zu einer sich aus den Fesseln muslimischer Traditionen befreienden ›orientalischen‹ Dozentin der Anglistik – Malokhat Shakhobova (gest. 2003). In einem Nachruf heißt es: »Developing ›The ecu scholars’ Union‹ in Tajikistan and spreading English language all through her state was once the categorical target of her lifestyles. she's going to be remembered as a favourite individual no longer due to her place yet as a result of her power and brightness and her sincere und elementary personality.«
Beim Verfassen seiner umfangreichen Lebenserinnerungen in Moskau Anfang der 1990er Jahre erlebte die Sowjetrepublik Tadschikistan einen Bürgerkrieg von »ungeheuerlichem Ausmaß«, ein russisches Trauma, das bis heute nachwirkt. Umso erstaunlicher mutet daher die vom Autor, der bereits 1965 in seine Geburtsstadt Moskau zurückgekehrt struggle, beschriebene Reaktion seiner Freunde nach der gewaltsamen Exilierung an: »Nach ihrer Übersiedlung nach Moskau erklärten sie alle ... Duschanbe sei Vergangenheit, sie wollten nicht mehr daran denken ... Eine so völlige Unterdrückung natürlicher Nostalgie lässt sich, so scheint mir, nur auf eine Weise erklären: mit dem verborgenen, unbewussten, intuitiven Gefühl, an einem gigantischen, universal-historischen Prozess teilzuhaben …«
In Deutschland, das 1989/90 auch am »universal-historischen Prozess« teilgenommen hatte – und das mit glücklichem Ausgang, bleibt im Oktober 1994 jegliche Reaktion auf seinen Leserbrief an die »Frankfurter Allgemeine Zeitung«, in dem er auf die Meininger Bücher in Duschanbe hinweist, aus. Auch die später teilweise erfolgreichen Restitutionsbemühungen in Meiningen beschlagnahmter Kunst durch Regina von Habsburg (Prinzessin von Sachsen-Meiningen, 1925-2010) berühren die Meininger Bestände in Duschanbe nicht. Ebensowenig sollte die zuletzt von Gabriela von Habsburg 2013 in der Zeitschrift »Cicero« gelegte Spur weiterführen. Führt zu ihnen jetzt vielleicht das ›Meininger Erotikon‹?
Wer den Blick heute von Deutschland nach Tadschikistan wirft, wird eher aufmerksam auf die dort wie in Wismut (SBZ/DDR) 1945 in Gang gesetzte gigantische sowjetische Uranproduktion, die 1949 zur ersten sowjetischen Atombombe führte. Michail Schaiber-Sokolski warfare dies Anlass genug, später im »Samisdat« einen Essay »Der Geist angesichts der Weltkatastrophe« zu verbreiten. Heute scheinen wir daher weniger versucht, von einem »universal-historischen Prozess« zu sprechen, als von einer universal-historischen Utopie, die immer noch auf ihre Erfüllung wartet und der Michail Schaiber-Sokolski immer wieder in seinen zahlreichen Schriften – russisch wie deutsch – vielfältigen Ausdruck verliehen hat. Ein sehr kleiner Teil davon wurde daher hier als »Ars erotica in Stalinabad« von Erika Beermann aus den unveröffentlichten russischen Erinnerungen «Vernaja pamjat’» – »Getreues Gedächtnis«, Moskau 1992-96 – 2. Teil: 1946-91, Kapitel seventy six, filigran übersetzt und vom Herausgeber um ein Nachwort und einige Abbildungen von Meiningen und zwei Photographien des Autors ergänzt.

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